Das Prüfverfahren

 

Die Luftdichtheit von Gebäuden wird im Differenzdruckverfahren nach DIN EN 13829 bestimmt. Hierzu wird ein Gebläse mit einer Meßeinheit in eine Gebäudeöffnung (Fenster oder Tür) eingebaut und dann eine Druckdifferenz zwischen dem Gebäudeinneren und dem natürlichen Außendruck hergestellt. Die maßgebende Druckdifferenz beträgt dabei 50 Pa (Pascal), oder 0,5 mbar bzw. 5 mm Wassersäule. Das Gebläse hält die Druckdifferenz aufrecht und gleicht dabei die Menge der entweichenden oder nachströmenden Luft mittels variierender Drehzahl aus. Wird die Menge der zur Aufrechterhaltung des Drucks nachgeförderten Luft ins Verhältnis zum Gebäudevolumen (Nettoluftvolumen des Gebäudes, ohne Konstruktion) gesetzt, ergibt sich die sog. Luftwechselrate als Indikator für die relative Dichtheit des Gebäudes.

Bei der eigentlichen Messung werden nacheinander verschiedene Druckstufen angesteuert, dann gehalten und jeweils einzelne Meßwerte aufgezeichnet, die dann zu einem Gesamtwert für die Unterdruck- und für die Überdruckmessung gemittelt werden. Daraus wiederum ergibt sich als Mittelwert die Luftwechselrate. Die eigentliche Messung dauert nur ca. 20 Minuten (ohne Vorbereitung und Leckagesuche).

Kein Gebäude ist absolut dicht, und es ist auch nicht das Ziel, ein hermetisch dichtes Gebäude herzustellen. Entscheidend ist jedoch, an welchen Stellen ggf. ein ungewollter Luftaustausch stattfindet und in welchem Maße dies geschieht.  Eine Leckagesuche sollte daher grundsätzlich durchgeführt werden.

 

Für die Überprüfung kleinerer Gebäude (Ein- oder Zweifamilienhaus bis ca. 1.000 m³ Luftvolumen) kommt das Gerät blowtest3000 der Fa. LTM zum Einsatz. Größere Gebäude bis ca. 10.000 ³ (je nach Konstruktion und dem daraus zu erwartenden Grad an Dichtheit) werden mit dem Gerät Minneapolis Blower-Door (landläufig namensgebend für den Test) geprüft. Das Verfahren wird bereits seit über 20 Jahren angewendet und stammt ursprünglich aus Amerika.

 

 

Normen: Luftdichtheit in der EnEV

 

In der Energieeinsparverordnung wird die Luftdichtheit der Gebäudehülle ausdrücklich gefordert. Falls das Gebäude mit einer Lüftungsanlage ausgestattet ist, besteht generell die Pflicht zum Nachweis der Dichtheit (wenn die LA bei der Energiebedarfsberechnung eingerechnet ist, was üblicherweise der Fall ist). Für Gebäude ohne mechanische bzw. motorische Lüftung bleibt die Überprüfung freigestellt. Allerdings kann auch hier mit dem Nachweis der verminderten Fugenlüftung bei der Bestimmung des sog. Primärenergie-bedarfs nach EnEV eine Reduzierung der rechnerischen Lüftungswärmeverluste von über 14% angesetzt werden (rechn. Luftwechselrate „n“= Faktor 0,6, statt 0,7). Der hierdurch verminderte rechnerische Energiebedarf entscheidet oftmals über die Zulässigkeit des Bauvorhabens oder Förderfähigkeit im Rahmen der KfW-Programme.

Wird die Dichtheit überprüft, darf das Meßergebnis bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten. Die EnEV bezieht sich hier auf die DIN 4108-7 und nennt folgende Werte (n50-Werte), die einzuhalten bzw. zu unterbieten sind: 

 - bei Gebäuden mit raumlufttechnischen Anlagen: Luftwechselrate 1,5/h

 - bei Gebäuden ohne raumlufttechnische Anlagen: Luftwechselrate 3,0/

- für Gebäude nach Passivhausrichtlinie gilt ein genereller Grenzwert von 0,6/h, sofern nicht ein noch geringerer Wert in der Berechnung angesetzt wurde

Der Wert bedeutet konkret, um welchen Faktor das Innenluftvolumen des Gebäudes bei einem Druck von 50 Pa Druckdifferenz (innen/ außen) über den Zeitraum von einer Stunde ausgetauscht würde.

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© Göran G. Lennert